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#2 Safe im Internet: Rechtsextremismus im Netz

Seit dem Anschlag in Halle ist das Thema Rechtsextremismus im Internet überall präsent. Am 9. Oktober 2019 versuchte ein junger Mann in eine Synagoge in Halle einzudringen und an den dort versammelten Jüdinnen und Juden mit Waffengewalt einen Mord zu verüben. Die Tat ist Teil einer neuen Serie von rechtsextremen Anschlägen, die eng in Verbindung mit Onlinekultur stehen. Der Täter radikalisierte sich online, streamte die Tat live auf Facebook in der Optik eines Let’s Plays, und veröffentlichte ein Manifest, das das Vorgehen seiner Tat mit zahlreichen Verweisen auf Internet- und Gamingkultur schildert.

Seit diesem Anschlag wird viel über die Gefahr von Rechtsextremismus im Internet diskutiert. Politiker, wie Horst Seehofer, sehen das Problem in der Gewaltverherrlichung von Computerspielen und wollen “die Gamingszene stärker in den Blick nehmen”. 1https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-10/terroranschlag-halle-seehofer-games-killerspiele Doch sind wirklich nur Computerspiele und ihre Community verantwortlich für solche Gewalttaten? Wie erkennt man eigentlich Rechtsextreme im Netz, auf welchen Plattformen sind sie unterwegs und wie kann man etwas dagegen gegen sie tun?

Social Media als Werkzeug der “Neuen Rechten”

Es gibt eine neue Generation von Rechtsextremen in Deutschland, die nicht mehr in Jugendzentren oder auf Schulhöfen versuchen Jugendliche anzusprechen, sondern zeitgemäß und viel bequemer in den sozialen Medien. Imageboards, Gamingplattformen, Reddit aber auch YouTube sind heutzutage beliebte Propagandamittel der sogenannten “Neuen Rechten”2https://www.klicksafe.de/themen/problematische-inhalte/rechtsextremismus/rechtsextremismus-im-netz/. Wo sich im Netz oft über die Unbeholfenheit von Politikern im Internet lustig gemacht wird, sind die Rechten oft einen Schritt voraus: Sie legen Wert auf ein zeitgemäßes Auftreten, knüpfen bewusst an jugendliche Subkultur an und nutzen gerne den zweideutigen Humor von Memes und Troll-Culture um ihre radikalen Inhalte unauffällig zu verbreiten.

Der Fall von Pepe – ein lustiger Frosch wird zum rechten Meme

Pepe war nur ein einfacher Frosch

Das wohl bekannteste Beispiel ist das Meme von “Pepe the Frog”. Er wurde von Matt Furie als Charakter in seinem Comic Buch Boys Club erschaffen, der sich eines einfachen Lebens mit Cola und Snacks erfreute. Schnell begann sich das Bild des Froschs im Internet zu verbreiten und wurde auf vielfältige Art und Weise verändert und geteilt. Zu lustigen Varianten wie Happy Pepe und Sad Pepe kamen im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 jedoch auch Pepes, die Hakenkreuze trugen oder abwertende jüdische Stereotypen darstellten, auf. Schnell wurde er zum Symbol der Neuen Rechten in Amerika und das harmlose Bild eines Froschs wurde zum populärsten rechtsextremen Meme der Welt. 3https://www.zeit.de/digital/internet/2017-09/memes-pepe-frosch-alt-right-rechtspopulismus-usa

Beeinflussung des Meinungsbildes

Die Verwandlung von populären Memes in rechtsextreme Propaganda ist kein Einzelfall. Im Netz treiben sich organisierte rechte Gruppen herum, die gezielt Kommentarspalten fluten, Hashtags auf Twitter kapern und massenhaft Inhalte von rechtsextremen Politikern teilen. So zum Beispiel die Organisation “Reconquista Germanica”, die als straff organisiertes, über Discord-Server verbundenes Netzwerk versuchen, das Meinungsbild im deutschsprachigen Internet zu beeinflussen 4https://netzpolitik.org/2018/getarnt-als-gamer-einblicke-in-eine-rechtsradikale-troll-armee/#spendenleiste. Bei einer Studie, in der tausende Facebook-Diskussionen unter Beiträgen von großen Tageszeitungen analysiert wurden, stellte sich heraus, dass bei Hasskommentaren lediglich 5% der Accounts, die Hasskommentare liken für 50% der Likes von Hasskommentaren allgemein verantwortlich sind 5https://www.isdglobal.org/wp-content/uploads/2018/07/ISD_Ich_Bin_Hier_2.pdf. Mit gefälschten Accounts versuchen also Rechtsextreme rassistische, sexistische und antisemitische Äußerungen unter Artikeln zu verbreiten, um den Anschein zu erwecken, dass viel mehr Menschen diese Äußerungen teilen, als es eigentlich wahr ist. Außerdem nutzen sie gerne die Verbreitung von fake news, also gefälschten, unwahren Artikeln, um zum Beispiel das rassistische Klischee, dass alle Ausländer kriminell sind, zu verbreiten 6https://www.dw.com/de/rechte-fake-news-vor-der-europawahl/a-48834814.

Rechtsextremismus ist nicht nur Online-Sache

Rechtsextreme Anschläge haben also keineswegs nur etwas mit Gaming zu tun. Genauso wie rechtsextreme Haltungen in den letzten Jahren allgemein einen starken Aufschwung erhalten haben 7https://www.tagesspiegel.de/politik/mitte-studie-jeder-zweite-deutsche-hat-vorbehalte-gegenueber-asylsuchenden/24251866.html, sind sie auch im Internet vermehrt und in fast jedem Raum anzutreffen. Zwar sind es vielleicht nicht so viele User wie es einem anfänglich erscheint, dafür sind sie meist lauter und dominanter als alle Vertreter anderer politischer Meinungen zusammen. Rechtsextremisten gibt es jedoch schon lange auch außerhalb des Internets, nur haben sie heutzutage gelernt sich die neuen Medien zunutze zu machen.8https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/europawahl-soziale-medien-101.html. Deswegen wäre es gefährlich anzunehmen, dass das Problem gelöst sei, wenn man Computerspiele verbietet und den Stecker aus dem WLAN Router zieht – Wie so oft zeigen sich im Internet Probleme, die eigentlich in der Offline-Welt entstehen, auf verwandelte Art und Weise online.

Was kann man tun?

Eben weil Rechtsextreme so erfolgreich mit ihren Strategien sind , ist es wichtig, sich vor rechtsextremen Inhalten zu schützen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Dabei können folgende Tipps hilfreich sein:

  1. Sich informieren
    Je mehr man über Rechtsextreme und ihre Meinungen weiß, desto besser kann man ihre Inhalte erkennen und etwas dagegen tun.

  2. Inhalte melden
    Hat man einen rechtsextremen Inhalt erkannt, kann man es bei der zugehörigen Plattform melden. Eine gute Anleitung gibt es dafür hier.

  3. Counter Speech
    Sind Hassreden laut, muss die Gegenrede lauter sein. Es lohnt sich im Internet rassistische, frauenfeindliche und antisemitische Überzeugungen zu kontern und Opfer solcher Anfeindungen zu unterstützen. Allerdings ist hierbei Vorsicht angesagt: Stellt man sich gegen rechte Internet-Trolls, kann man leicht selbst Opfer von Hassrede werden. Daher sollte man niemals mit seinem Klarnamen im Account diskutieren und auf seine Sicherheitseinstellungen bei der jeweiligen Plattform achten. Auch sollte man sich niemals in eine Diskussion verwickeln, wenn man sich unsicher ist und stets darauf achten sachlich und mit Faktenwissen zu kontern.

Weitere Tipps und Informationen findet Ihr unter folgenden Links:

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