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Schöne neue Instagram-Welt

Bilder von einem hübsch angerichteten Frühstück im Bett oder von wunderschönen Landschaften, glamourösen Outfits, leckeren Gerichten und beeindruckenden Urlauben, mitreißende Stories, coole Filter und witzige GIFs das sind nur wenige Dinge, die uns dazu bringen viel Zeit auf der Social-Media-Plattform Instagram zu verbringen. Bei ihrer JIM-Studie 2018 (Jugend, Information, Medien) haben Forscher herausgefunden, dass 67% der Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren regelmäßig auf Instagram aktiv sind. Nur WhatsApp wird von noch mehr jungen Menschen genutzt, nämlich 95%, Snapchat, Facebook und andere liegen weit dahinter. Sie haben außerdem festgestellt, dass die weiblichen Nutzer*innen (73%) der Altersgruppe viel aktiver auf Instagram sind, als die männlichen (61%). Insgesamt wird die Plattform in den letzten Jahren von immer mehr Jugendlichen genutzt. Die Umfrage hat auch gezeigt, dass die jungen Nutzer*innen  durch die Bilder und Stories vor allem dem Alltag von Freunden und Bekannten folgen wollen und weniger selbst Fotos oder Videos posten.[1] Das zeigt, dass die Plattform sehr beliebt ist und scheinbar immer beliebter wird.

Auch gibt es immer mehr Influencer*innen, die mit ihren Bildern, auf denen sie Produkte oder Unternehmen präsentieren und verlinken, Geld verdienen. Sie gelten als die Stars des Internets und viele von ihnen haben mehr Follower*innen als manch ein*e Hollywood-Schauspieler*in. Vor allem die Themen Mode, Fitness und Beauty sind beliebte Kategorien hinter denen ein großer Wirtschaftsbereich steht, der die Social-Media-Influencer*innen für die Vermarktung ihrer Produkte nutzt.

Aber wie funktioniert das eigentlich? Viele Follower*innen haben vor allem diejenigen, die regelmäßig und viele Bilder posten. Dabei sind die Inhalte meistens in einem ähnlichen Stil, bearbeitet oder durch einen schicken Filter in Szene gesetzt. Egal ob Fitness-, Food-, Reise-, Beauty- oder Mode-Influencer*in, so zeigen die Bilder meistens perfekt inszenierte Momentaufnahmen. Weil die Plattform hauptsächlich mit Bildern arbeitet und Texte nur sehr begrenzt möglich sind, will jeder das perfekte Foto zeigen um mehr Likes zu ergattern. Wir Nutzer*innen schauen uns die toll in Szene gesetzten Menschen in hippen Kulissen an, verteilen Likes und machen den*die Influencer*in durch das Folgen und Teilen noch bekannter.

Aber was macht die Bilderflut mit uns? Beeinflussen die schönen Bilder und aufregenden Stories aus dem Alltag der Influencer*innen uns in unserem Leben? Irgendwie scheint auf Instragram alles schöner und besser. Die Farben der Landschaft leuchten mehr, Pickel gibt es nicht und jeder befindet sich gerade an einem interessanten, beeindruckenden Ort auf der Erde. Und wenn nicht, dann bearbeitet man die kleinen Schönheitsfehler einfach weg oder versteckt die nicht so schönen Teile der Realität auf dem Foto eben hinter einem GIF oder einem Glitzer-Herzchen-Filter, hinter dem sowieso niemand mehr irgendetwas erkennen kann. Durch die Bildunterschriften und Kommentare ziehen sich die Superlative: „Mit den Besten“, „Der schönste Sommer meines Lebens“, „Die coolste Zeit des Jahres“, „Lieblingswetter“, „Lieblingsort“, werden kommentiert mit „Du bist der*die Schönste“, „Du Supermodel“, „Hübsche*r“, „Cutie“… Die Kommentare haben natürlich einen positiven Einfluss auf das Selbstbewusstsein. Gleichzeitig tut sich dabei eine Art Teufelskreis auf, durch die perfekt wirkenden Bilder der Influencer*innen steigt der Anspruch an die Bilder der anderen und an die eigenen Bilder. Die Reaktionen auf diese Bilder haben wiederum einen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und so wird der eigene Account zur Selbstinszenierungs-Plattform.  

Ich denke viele junge Menschen wissen, dass die Instagram-Realität häufig wenig mit der „echten“ Realität zu tun hat, einige tun sich damit jedoch schwer. Für sie ist es schwieriger, mit dem perfekt zu scheinenden Leben und den Körpern der Influencer*innen und den Selbstzweifeln, die bei der Betrachtung jener aufkommen, umzugehen. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass es sowohl auf der Plattform selbst als auch im echten Leben Menschen gibt, die uns zeigen, dass der schöne Schein nicht immer echt ist und niemand einem Bild entsprechen muss, das andere vorzugeben scheinen.

Aus diesem Gedanken heraus hat sich auch auf Instagram eine Bewegung entwickelt, die sich der Body-Positivity verschrieben hat. Die Anhänger*innen wollen den Menschen zeigen, dass jeder Körper schön ist, auch wenn dieser nicht dem vorgelebten Schönheitsideal entspricht. Die meisten Menschen sehen nicht aus wie aus einer Modelkartei, wie aus einem Modekatalog oder eben wie Mode- und Beauty-Influencer*innen und darauf möchte die Bewegung aufmerksam machen. Sie wollen ein Verständnis dafür schaffen, dass jede*r so wie er*sie ist genau richtig ist. Wir möchten euch eine Influencer*in vorstellen, die sozusagen beide Seiten kennt.

Louisa Dellert ist als Fitnessinfluencerin auf Instagram bekannt geworden. Wenn sie heute darüber spricht, wie ihre Anfänge auf Instagram aussahen, erzählt sie auch wie sie die Bilder der anderen extrem sportlichen und extrem dünnen Nutzer*innen beeinflusst haben. Heute sagt sie, dass sie damals einen sehr ungesunden Lebensstil geführt hat, viel zu dünn und unglücklich war. Nach einer Herz-Operation hat sie erkannt, dass ihr andere Dinge im Leben wichtiger sind und heute macht sie sich für Themen wie Selbstliebe, Umweltschutz und Politik stark. Wenn euch interessiert, wie ihr Wandel als Instagramer*in aussah und was sie heute so macht, schaut euch doch das Video von „Die Frage“ an:


[1] Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM-Studie 2018, Stuttgart, 2018, S.38ff.

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