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Warum PolitikerInnen in den Duden sollen

Wer sich ein bisschen für Politik interessiert oder hin und wieder mal durch die aktuellen Nachrichten schaut, hat sicher mitbekommen, dass das mit der Regierungsbildung in Deutschland zur Zeit nicht so einfach ist. Aber selbst wer sich sonst so überhaupt nicht für Politik interessiert, wird gleich doch sicher einige Namen wiedererkennen und bei diesem Artikel ein wenig schmunzeln müssen. Denn abseits der Regierungskrisen und Koalitionsverhandlungen, diskutiert das Netz über eine witzige Wortneuschöpfung.

Was Horst Seehofer damit zu tun hat

Nachdem der Parteichef der CSU Horst Seehofer bekannt gab, dass er seine Ämter abgeben will, machte er diese Drohung ein paar Stunden später wieder rückgängig. Daraufhin wurde der Name Seehofer von den Internetusern in ein Verb umgewandelt: “seehofern” war geboren. Das bedeutet letztendlich nichts anderes als “es sich im letzten Moment noch anders überlegen”. Das Wort kann man somit nicht nur bei politischen Themen verwenden, nein, es passt auch super in unseren ganz normalen Alltag. Wer kennt es nicht? Man verspricht zum Beispiel seinen Eltern beim Abwasch zu helfen und im letzten Moment sucht man sich doch eine Ausrede um sich davor zu drücken oder man behauptet, dass vom Abwasch nie die Rede war. Und schon hat man geseehofert. Im Netz wird sogar schon diskutiert, ob man “seehofern” nicht in das allseits bekannte Duden-Wörterbuch aufnehmen sollte. Das könnte dann so aussehen:

Es gibt noch mehr davon

Horst Seehofer ist übrigens nicht der Erste der Duden-Potenzial hätte. Seine PolitikerkollegInnen bekommen ebenfalls ihr Fett weg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war schon vor zwei Jahren fleißig am “merkeln”. Das Verb bedeutet “nichts tun” oder auch “keine Entscheidung treffen”. Die InternetuserInnen waren sich einig, dass “merkeln” das passende Wort für das angebliche Nichtstun der damaligen Bundesregierung wäre. Das Wort lässt sich auch ganz korrekt in allen grammatischen Formen nutzen, wie das Online-Wörterbuch Wiktionary zeigt. Auch FDP Parteichef Christian Lindner hat bereits sein eigenes Verb. Und das passt ungefähr so gut zu ihm, wie “seehofern” zu Horst Seehofer. “Lindnern” bedeutet “sich aus einer gemeinsam geplanten Gruppenaktivität zum spätmöglichsten Zeitpunkt zurückziehen”. Das kennt ihr vielleicht auch: ihr plant einen gemeinsam Ausflug mit euren Freunden und zwei Stunden bevor ihr los wollt, sagen noch eine oder mehrere Personen plötzlich ab. So ähnlich hat es auch Christian Lindner gemacht. Nachdem er sich bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr bereit erklärt hat, eine Regierung zusammen mit CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen zu bilden, brach er die Koalitionsverhandlungen plötzlich ab. Die FDP beschloss nun doch nicht mehr Teil der sogenannten “Jamaika-Koalition” zu werden und seitdem wird verzweifelt nach einer neuen Regierung gesucht. Das erste Politiker-Verb gab es übrigens schon vor 16 Jahren. Der ehemalige CSU Politiker verhaspelte sich in seiner Rede so sehr, dass niemand wirklich verstanden hat, was er eigentlich sagen wollte. Das Video dieser Rede wurde danach zum Internethit und “stoibern” das Synonym für “verhaspeln”.

Alles nur ein Trend?

Angela Merkel hat es mit ihrem “merkeln” sogar bis vor eine Jury geschafft. Der Langenscheidt Verlag kürt jedes Jahr das Jugendwort des Jahres und 2015 wurde “merkeln” es auf die Liste der Vorschläge aufgenommen. Das Verb schaffte es auf den zweiten Platz und musste sich nur dem “Smombie” geschlagen geben. Darauf kann man ja eigentlich fast schon stolz sein. Horst Seehofer hingegen, wurde eher verspottet. Der Autoverleiher Sixt schaltete eine Werbung auf diversen Social Media Plattformen, auf denen Seehofer im Großformat zu sehen ist und auf die kurzfristigen Stornierungsmöglichkeiten von Sixt aufmerksam macht.

Letztendlich bekommen viele PolitikerInnen auf irgendeine Art und Weise ihr Fett weg. Lustig finden sie das dann eher nicht, aber ist die Aufregung berechtigt? Wohl eher nicht, denn früher oder später ist es mit der Witzelei ja auch wieder vorbei. Herr Seehofer kann also beruhigt sein, auch “seehofern” wird irgendwann wieder in Vergessenheit geraten. Die Chancen, dass der Duden das Wort tatsächlich in sein Repertoire aufnimmt, sind doch eher gering.

Aber wer weiß, vielleicht wird auch Seehofers Verb dieses Jahr in die Vorschlagsliste fürs Jugendwort des Jahres aufgenommen? Und vielleicht landet er damit ja sogar auf dem ersten Platz? Dann hätte er zumindest in dieser Kategorie Angela Merkel etwas voraus 😉

 

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